Auf dieser Seite finden Sie:

- Chronik des Ortes Kirchwehren

- Schule in den Nachkriegsjahren

- Liste der Bürgermeister Kirchwehrens von 1932 bis heute

- Liste der Brandmeister(in) Kirchwehrens von 1900 bis heute 

- Liste der Pastoren Kirchwehrens von 1223 bis heute

- Bedeutung der Kirchwehrener Straßennamen

Kirchwehren

Wappen Kirchwehren

Der Ortsname, wie wir ihn nach heutigem Sprachverständnis deuten würden, ist hier in heraldische Bildersprache "übersetzt" worden: eine Kirche und eine Palisade als "Wehr" (vgl. dazu die wissenschaftliche Deutung des Ortsnamens). Ergänzt wird das Ortswappen durch die Wappen zweier mit Kirchwehren verbundenen Adelsfamilien. Die im Spätmittelalter hier ansässigen Ketelhodts finanzierten um 1500 einen Kirchenneubau; die Familie von Alten auf Dunau (dort ansässig seit 1558) hatte bis 1875 ein Erbbegräbnis im Turm der Kirche und stiftete die bis heute erhaltene Barockorgel. (Entwurf Alfred Brecht 1960)

Ausführliche Informationen zu den Ortswappen der Seelzer Stadtteile


Als 1996 in Kirchwehren das 900jährige Bestehen des Dorfes feierlich begangen wurde, ging man noch einigermaßen sicher davon aus, dass eine urkundliche Erwähnung von Wegerden 1096 das heutige Kirchwehren meint. (1096 schenkte eine Adlige namens Meresvid dem Bischof von Minden verschiedene Besitztümer, darunter einen größeren Hof in Wegerden.) In jüngerer Zeit sind daran Zweifel aufgekommen, die sich vor allem darauf stützen, dass alle weiteren in der Urkunde erwähnten Orte nicht im hiesigen Marstemgau, sondern weiter westlich im Gau Angari (Engern) liegen. Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem 1096 genannten Wegerden um einen kleinen Ort im Kreis Nienburg handelt, der heute noch den Namen Wegerden trägt und jetzt zur Gemeinde Warmsen gehört.

Rätselhafte Entwicklung eines Ortsnamens

Im Ortsnamenbuch des Landkreises und der Stadt Hannover (Uwe Ohainski und Jürgen Udolph 1998) werden als weitere frühe urkundliche Erwähnungen Kirchwehrens aufgeführt: in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts (1121-1140) Wechertheren und Wrgerderen sowie um 1200 (1185-1206) WagyrtheWegirtheund Wegerthen. (Die entsprechenden Urkunden tragen kein exaktes Datum, die Historiker können den Entstehungszeitraum nur aus dem Kontext erschließen.)

Die Ortsnamenforscher Ohainski und Udolph stellen fest, es habe „den Anschein, als seien Lathwehren und Kirchwehren Reste eines Namens, der sich auf ein größeres Gebiet bezogen hat“. Bis ins 14. Jahrhundert hinein wird in Urkunden als Ortsname nur das Grundwort genannt, das wir heute als „Wehren“ kennen. Vereinzelt finden wir die Verwendung dieses Namens bis ins 17. Jahrhundert, obwohl eine Kirche in Wegerthe schon Anfang des 13. Jahrhunderts (1221) nachgewiesen ist. Daraus folgt, streng genommen, dass wir mindestens bis 1315 (erste ausdrückliche Nennung Lathwehrens: Latweghederen) nie ganz sicher sein können, was mit WegerdenWegerthe usw. gemeint ist: Kirchwehren, Lathwehren oder beide zusammen.

 
 

Namensdeutung läßt hohes Alter vermuten

Kirchwehren nach der Kurhannoverschen Landesaufnahme 1781. Während die Wälder rundum größtenteils als sumpfige Flächen gezeichnet sind, scheint das Dorf mit der angrenzenden Ackerflur auf einer trockenen "Insel" zu liegen. Die "30" beim Ortsnamen bezeichnet die damalige Zahl der Hof- und Hausnummern.
Kirchwehren nach der Kurhannoverschen Landesaufnahme 1781. Während die Wälder rundum größtenteils als sumpfige Flächen gezeichnet sind, scheint das Dorf mit der angrenzenden Ackerflur auf einer trockenen "Insel" zu liegen. Die "30" beim Ortsnamen bezeichnet die damalige Zahl der Hof- und Hausnummern.

Ohainski und Udolph gehen davon aus, dass eine Deutung des Namensteils Wehren „nur über einen Blick in höchst altertümliche Bildungen und Wortelemente zu gewinnen“ sei. Sie nehmen auf die um 1200 urkundlichen Namensformen Wagyrthe undWegirthe (im 13. JahrhundertWegerthe/n) Bezug und vermuten darin eine ursprüngliche Namensbildung Wagir-ithi oder Weg-r-ithi. Der erste Teil ginge demnach auf indogermanische Wurzeln wieuag- oder ueg- in der Bedeutung von „gebogen sein“ zurück (auch zu finden in dem Wort Wange), was sich auf die Ortslage auf einer sanft abfallen „abschüssigen Ebene“ beziehen könnte. Der zweite Teil bestände demnach ursprünglich aus dem sehr alten norddeutschen Ortsnamenelement -ithi, welches z.B. auch in den heutigen Ortsnamen Benthe, Empelde und Döhren verborgen ist. (Der „Wehren“ heute ähnliche Ortsname Döhren entstand aus dem um 1000 genannten Thurnithi, im 12. Jahrhundert Thornithe.) – Letzte Sicherheit für ihre Deutung des Namens Kirchwehren beanspruchen die Autoren des Ortsnamenbuches nicht.
Die Differenzierung des Namens „Wehren“ (1228 Wegerde, 1267 Wegetheren, 1324 Wegerden) in Kirch-wehren und Lath-wehren ist urkundlich im 14. Jahrhundert nachzuweisen (Kerkwegherden in einem Lehnsregister 1330/52; Latweghederen in einer Urkunde 1315).

 
 

Eine Kirche ist seit dem 13. Jahrhundert belegt

An der Südseite des Kirchturms ist ein alter Kreuzstein vermauert worden. Beim Kirchenneubau 1753 wurde der Turm des Vorgängerbaus im wesentlichen erhalten, er stammt also mindestens aus dem frühen 16. Jahrhundert. Der Kreuzstein stammt also vermutlich aus der um 1500 abgebrannten Kirche, die vermutlich um 1200 erbaut wurde.
An der Südseite des Kirchturms ist ein alter Kreuzstein vermauert worden. Beim Kirchenneubau 1753 wurde der Turm des Vorgängerbaus im wesentlichen erhalten, er stammt also mindestens aus dem frühen 16. Jahrhundert. Der Kreuzstein stammt also vermutlich aus der um 1500 abgebrannten Kirche, die vermutlich um 1200 erbaut wurde.

Die Annahme eines hohen Alters der Siedlung Kirchwehren wird untermauert durch die Tatsache, dass sie spätestens im 13. Jahrhundert Standort einer Pfarrkirche war. Das Kloster Mariensee bei Neustadt am Rübenberge erhält 1221 die Kirche in Wegerthe und einen Hof mit Eigenbehörigen geschenkt. Kirche und Bauernhof gehörten den Grafen von Wölpe, die Schenkung wurde von Bischof Iso von Verden aus dem Hause Wölpe veranlasst. 1223 werden in einer Urkunde zwei Priester aus Wegerde (Lenfrid und Gerard) als Zeugen eines Rechtsgeschäfts genannt.

Von dem Kirchenschiff wissen wir, dass es 1753 erneuert worden ist, der Turm jedoch ist erkennbar deutlich älter. Die Lage der Kirche auf einem kleinen Hügel und die bauliche Beschaffenheit der unteren Turmhälfte (u.a. schmale Schießscharten) lassen Reste einer typischen, vermutlich spätromanischen „Wehrkirche“ erkennen. Die ältesten Teile des heutigen Kirchturms könnten demnach aus der Zeit um 1200 stammen, als im damaligen Bistum Minden zahlreiche kleinere, vermutlich häufig in Fachwerk oder Holz ausgeführte Kirchen durch massive größere Pfarrkirchen ersetzt wurden. Zum Kirchspiel gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach das heutige Lathwehren und das später wüst gefallene Esedinghusen (beim heutigen Gut Dunau).

Der Blick von Norden macht die Hügellage der Kirche besonders deutlich.
Der Blick von Norden macht die Hügellage der Kirche besonders deutlich.

Nach einer Überlieferung aus dem 17. Jahrhundert ist die Kirche um 1500 abgebrannt, und die Einwohner des Kirchspiels mußten fortan nach Seelze zur Messe gehen. In einem kalten Winter soll der Sohn des in Kirchwehren ansässigen Herrn von Ketelhodt erfroren sein, als man ihn - wie damals üblich, wenige Tage nach der Geburt - zur Taufe nach Seelze trug. Daraufhin habe Ketelhodt große Teile seines Vermögens zur Errichtung einer neuen Kirche gestiftet. Diese war rund 250 Jahre später recht baufällig und wurde 1753 durch den Bau ersetzt, der heute noch weithin sichtbar auf einer kleinen Erhebung steht. Ein Wappenstein des Herrn von Ketelhodt ist bis heute im Ostgiebel der Kirche zu sehen.

Die Begräbnisplätze für Kirchwehren, Lathwehren (und früher Esedinghusen) lagen seit dem Mittelalter rund um die Kirche auf dem kleinen Kirchhof, die Dunauer von Alten hatten ein Erbbegräbnis in der Kirche. Nachdem in Lathwehren 1856 ein eigener Friedhof angelegt worden war und ein Familienbegräbnis auf Dunau 1875, verlegten die Kirchwehrener ihren Begräbnisplatz 1878 ebenfalls vom Kirchhof vors Dorf an den Lenther Weg.
1889 wurde das Kirchenpatronat des Klosters Mariensee nach 668 Jahren aufgehoben.
Die Kirchengemeinde wurde 1960 um Almhorst erweitert, welches bis dahin nach Seelze eingepfarrt war.

Die alte Kirchwehrener Pfarrscheune gegenüber der Kirche um 1950. Bis zu seinem Abriß 1952 erinnerte das Gebäude daran, daß Pfarrhöfe jahrhundertelang zugleich Bauernhöfe waren. Um 1700 wurde der Hof mit drei Knechten und zwei Mägden bewirtschaftet.
Die alte Kirchwehrener Pfarrscheune gegenüber der Kirche um 1950. Bis zu seinem Abriß 1952 erinnerte das Gebäude daran, daß Pfarrhöfe jahrhundertelang zugleich Bauernhöfe waren. Um 1700 wurde der Hof mit drei Knechten und zwei Mägden bewirtschaftet.
 
 

Höfe und Einwohner seit 1600

Gasthof Ostermeyer von 1742 (Hof Nr. 7, Neue Straße 2, abgerissen in den 1960er Jahren). Ein Dorfkrug wird bereits im Blumenauer Lagerbuch 1600 erwähnt. Abbildung nach einer Temperazeichnung von Hans Hermann Fricke.
Gasthof Ostermeyer von 1742 (Hof Nr. 7, Neue Straße 2, abgerissen in den 1960er Jahren). Ein Dorfkrug wird bereits im Blumenauer Lagerbuch 1600 erwähnt. Abbildung nach einer Temperazeichnung von Hans Hermann Fricke.

Um 1600 bestand Kirchwehren aus 20 Hofstellen sowie dem Pfarrhof und dem Küsterhaus. Der Musterungsrolle 1585 ist zu entnehmen, daß es daneben sechs Häuslingsfamilien gab, die zumeist auf Kötnerstellen zur Miete wohnten. Höchstens ein Dutzend der Höfe hatte 1600 (Lagerbuch Amt Blumenau) genügend Land, um von dessen Bewirtschaftung zu leben. Die meisten anderen werden zeitweilig als Tagelöhner/innen bei größeren Bauern gearbeitet haben.
In einer Kopfsteuerliste von 1689 werden als Berufsstände neben der Landwirtschaft genannt: ein Pferdehändler, ein Schmied, ein Krüger (ein Dorfkrug ist schon 1600 im Blumenauer Lagerbuch erwähnt), ein Leineweber, ein Reiter und zwei Hirten. Dazu kamen der Pfarrer und der Küster, der gleichzeitig Schulmeister war. Insgesamt lebten hier am Ende des 17. Jahrhunderts knapp 200 Menschen.

150 Jahre später (1848) waren es knappp 300, und um 1900 hatte sich an dieser Zahl noch nicht viel geändert - an der Struktur der Bevölkerung hingegen schon. Nach der Klassensteuerliste 1878 gab es inzwischen eine Vielzahl von Handwerkern und Arbeitern, auch drei Arbeiterinnen. Wie lebten sie in dem seit Jahrhunderten von der Landwirtschaft geprägten Dorf? Betrachten wir als Beispiel die Kötnerstelle Nr. 15. Dort wirtschaftete die Witwe Luise Crull mit einem Knecht; außerdem verzeichnet die Steuerliste die Arbeiter Konrad und Ludwig Spindler mit ihren Familien, den Maurer Heinrich Spindler mit Frau, die Näherin Sophie Spindler und den Arbeiter Heinrich Ziesenis mit Familie; insgesamt 13 Personen. Auf der Brinksitzerstelle Nr. 17 lebten die siebenköpfige Familie des Webers Heinrich Kruse, der Arbeiter Konrad Schrader mit Familie, Tierarzt Theodor Scheel mit Frau und die fünfköpfige Familie des Maurers Friedrich Spindler; zusammen 18 Personen. Hier und da hatten größere Höfe einen Bauplatz abgegeben; denn es gab inzwischen 37 Hof- und Hausnummern.

Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Kötnerstelle Nr. 15 (heute Küsterstraße 14) mit Familie August Crull; ca. 1935.
Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Kötnerstelle Nr. 15 (heute Küsterstraße 14) mit Familie August Crull; ca. 1935.

Nennenswerten Bevölkerungszuwachs brachte erst das Ende des 2. Weltkrieges mit seinen Flüchtlingsströmen. In den ersten Nachkriegsjahren lebten zwischen 500 und 600 Menschen im Dorf, ab 1953 wieder unter 500. Seit Ende der 60er Jahre liegen die Zahlen mit geringen Schwankungen zwischen 500 und 600 (Juli 2010: 560).

 
 

Die einstige Dorfschule

Das 1898 erbaute Schulhaus am südlichen Rand des Kirchhofs wurde nach dem Schulneubau 1954 als Kühlhaus der Gemeinde genutzt. Nachdem es in den 1980er Jahren unter Denkmalschutz gestellt worden ist, wurde es dennoch vor einigen Jahren abgerissen.
Das 1898 erbaute Schulhaus am südlichen Rand des Kirchhofs wurde nach dem Schulneubau 1954 als Kühlhaus der Gemeinde genutzt. Nachdem es in den 1980er Jahren unter Denkmalschutz gestellt worden ist, wurde es dennoch vor einigen Jahren abgerissen.

Schulehalten war anfangs auf kleinen Dörfern Sache der Küster. Mindestens ab Mitte des 17. Jahrhunderts, vermutlich aber schon um 1600 herum hat es in Kirchwehren entsprechenden Unterricht im Küsterhaus gegeben, zu dem anfangs vermutlich auch die älteren Kinder aus Lathwehren kamen.
Die räumlichen Verhältnisse für den Unterricht waren bis ins 19. Jahrhundert hinein mehr als dürftig - man stelle sich 40 Kinder in einer 16-qm-Schulstube im Küster- oder Lehrerwohnhaus vor. Wirklich Abhilfe brachte wohl erst der Bau eines separaten kleinen Schulhauses 1898 gleich neben dem Küsterhaus. Weil wehrfähige Lehrer Soldaten werden mußten, wurde die Schule von 1941 bis 1945 geschlossen, und die Kinder gingen nach Almhorst oder Döteberg. Im Schulhaus waren zeitweilig Soldaten und dann russische Kriegsgefangene untergebracht.

Im Frühjahr 1946 wurde die Dorfschule in dem wegen der vielen Flüchtlingskinder viel zu kleinen Haus wieder eröffnet, und 1953/54 konnte auf einem Grundstück im Westen der Küsterstraße neu gebaut werden. Doch die niedersächsische Schulreform brachte schon in den 60er Jahren eine Reduzierung auf die Jahrgänge 1 bis 4, und im Januar 1973 wurde die Schule ganz geschlossen. Seit 1975 beherbergt das Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus u.a. einen Kindergarten, und das Dachgeschoß wurde zum Veranstaltungsraum ausgebaut.

Die Försterei, die Königseiche und der Prinzentisch

Die ausgedehnten landesherrlichen Forsten um Kirchwehren wurden von Dedensen bzw. Luthe aus betreut, vor Ort gab es bis 1750 nur einen zum Holzknecht ernannten Dorfbewohner. Dann wurde für Kirchwehren die Stelle eines "gehenden" Försters (abgegrenzt zum höhergestellten reitenden) geschaffen.

Das zur Zeit von Förster Pieper 1865/66 erbaute Forsthaus an der Lenther Straße.
Das zur Zeit von Förster Pieper 1865/66 erbaute Forsthaus an der Lenther Straße.

Ein für die Dorfgeschichte besonders wichtiger Förster (von 1861 bis 1889) war Friedrich Pieper. Seine aus der französischen Schweiz stammende Frau hatte in Hannover bei Hofe gedient, weshalb Kronprinz Ernst August Kirchwehren gelegentlich besuchte. Und zum Schützenfest 1864 kam er sogar in Begleitung des Königs Georg V.
Friedrich Pieper war es auch, der 1880 einen Gedenkstein für den von ihm verehrten Forstdirektor Burckhardt errichten ließ (s.u.).

"Dem Andenken des Forstdirektor's Dr. Burckhardt gewidmet. 1880" - Diesen Stein für den bedeutenden hannoverschen Forstmann, Lehrenden und Schriftsteller Heinrich Christian Burckhardt (1811-1879) ließ Förster Pieper südlich des Forsthauses am Rande des Bössels aufstellen.
"Dem Andenken des Forstdirektor's Dr. Burckhardt gewidmet. 1880" - Diesen Stein für den bedeutenden hannoverschen Forstmann, Lehrenden und Schriftsteller Heinrich Christian Burckhardt (1811-1879) ließ Förster Pieper südlich des Forsthauses am Rande des Bössels aufstellen.

Weitere Informationen zu Heinrich Christian Burckhardt können Sie hier herunterladen.

 
 
Die neue „Königseiche“ mit dem runden Steintisch von 1864, heute gegenüber dem Forsthaus. Im Vordergrund der „Prinzentisch“ von 1726.
Die neue „Königseiche“ mit dem runden Steintisch von 1864, heute gegenüber dem Forsthaus. Im Vordergrund der „Prinzentisch“ von 1726.

Damals lag der Festplatz des Dorfes am Lenther Weg, und dort wurde eine alte Eiche zu Ehren des hohen Besuchs zur „König Georgs Eiche“ ernannt, und bei dem Baum wurde ein runder Steintisch errichtet. Die damalige „Königseiche“ fiel rund hundert Jahre später einem Sturm zum Opfer. Heute trägt eine jüngere Eiche gegenüber dem Forsthaus das Schild „König Georgs Eiche“.

Dort steht auch der sogenannte Prinzentisch, der allerdings schon aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt. Er erinnert an den Prinzen des Kurfürstentums Hannover Friedrich Ludwig (1707-1751). Als Kurfürst Georg Ludwig, sein Großvater, 1714 als König Georg I. nach London übersiedelte, musste der damals siebenjährige Friedrich Ludwig elternlos in Hannover zurückbleiben. Als Kind und junger Mann war er lange der Mittelpunkt des hannoverschen Hofes. 
Seine Eltern und Geschwister sah Friedrich Ludwig erst 1728 wieder, als ihn sein Vater nach dem Regierungsantritt als König Georg II. nach London holte. Der Prince of Wales und designierte Thronfolger starb jedoch vor seinem Vater (1751 im Alter von nur 44 Jahren) und konnte das Thronerbe nicht mehr antreten.

Inschrift auf der Platte des „Prinzentisches“: Auf gnedigst hohen Befehl Ihro Hoheiten Print[z]en Friederich Ludowigs zu Hannover ist dieser Tisch aufgerichtet Anno 1726
Inschrift auf der Platte des „Prinzentisches“: Auf gnedigst hohen Befehl Ihro Hoheiten 
Print[z]en Friederich Ludowigs zu Hannover ist dieser Tisch aufgerichtet Anno 1726

Ebenso wie die Königseiche mit dem runden Steintisch von 1864 hat auch der Prinzentisch von 1726 ursprünglich einen anderen Standort gehabt. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1781 ist er im Forst Riepen westlich von Döteberg verzeichnet, an einer Allee, die seinerzeit in etwa nord-südlicher Richtung durch den Wald führte (im Kartenausschnitt grün hervorgehoben).

Ausschnitt Kurhannoversche Landesaufnahme 1781 mit Allee im Riepen und dem ursprünglichen Standort des Prinzentisches
Ausschnitt Kurhannoversche Landesaufnahme 1781 mit Allee im Riepen und dem ursprünglichen Standort des Prinzentisches

Nach den großen Agrarreformen des 19. Jahrhunderts (Ablösung grundherrlicher Lasten, Gemeinheitsteilung und Verkoppelung), die mit neuen Eigentumsverhältnissen die Möglichkeit einer umfassenden „Flurbereinigung“ schufen, wurden vielerorts Waldflächen gerodet und in Ackerland umgewandelt. So geschah es auch mit dem östlichen Teil des Riepen bis an die vormalige Allee, an der der Prinzentisch stand. Wann der Tisch umgesetzt wurde, ist jedoch nicht bekannt. Die Preußische Landesaufnahme von 1898 zeigt eine aufgeräumte Landschaft, in der sich der frühere Standort des Prinzentisches nun am Waldrand befindet.

Früherer Standort des Prinzentisches in der Preußischen Landesaufnahme 1898
Früherer Standort des Prinzentisches in der Preußischen Landesaufnahme 1898
 
 
 
 

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Kirchwehren hat sich weitgehend ein dörfliches Ortsbild bewahrt, obwohl die prägenden Entwicklungen der Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg auch um dieses Dorf keinen Bogen gemacht haben. Die jahrhundertelang beherrschende Landwirtschaft spielt nur noch eine bescheidene Rolle, die Wohnbevölkerung arbeitet trotz ansässiger größerer Handwerksbetriebe kaum noch am Ort, sondern pendelt vor allem nach Hannover. Geblieben ist die alte Verbundenheit im einstigen Kirchspiel mit Lathwehren und Dunau, und gestärkt wurde die Verbindung zu weiteren Nachbardörfern durch die Bildung der Großgemeinde Seelze 1974 (ab 1977 Stadt), mit der Kirchwehren seine Selbständigkeit verlor.

 
 

 

Norbert Saul, Stadtarchiv

Im Folgenden ein Bericht von Helga Lindner aus dem Jahr 1996 zur Situation der Schule nach dem zweiten Weltkrieg.

Weitergehende Recherchen haben inzwischen ergeben, dass sich bei dem Artikel ein Fehler eingeschlichen hat:

Auf Seite 4 befindet sich ein Foto, wo Lehrer Arndt ein Geschenk entgegen nimmt. Dort steht: Ein Radioapparat

Tatsächlich hat der damalige Oberkreisdirektor Steppat jedoch Kosmos-Baukästen für den Naturkundeunterricht übergeben!

Bürgermeister von Kirchwehren

Heinrich Baxmann               3. September 1932 - 4. November 1946

Walter Hahn                          4. November 1946 - 21. September 1948

Adolf Schrage                      21. September 1948 - 17. November 1981

Heino Narten                        17. November 1981 - 17. November 1986

Adolf Schrage                      17. November 1986 - 28. Februar 1990

Rolf Juretzki                         28. Februar 1990 - 12. Januar 1999

Jens Seegers                       seit dem 12. Januar 1999

Brandmeister von Kirchwehren

Heinrich Gehle                     1900 - 1905

Conrad Alten                        1905 - 1921

Friedrich Ahlswe                  1921 - 1948

Conrad Alten                        1948 - 19. März 1955

Conrad Kruse                       19. März 1955 - 27. Mai 1955

Cord von Alten                      27. Mai 1955 - 3. September 1955

Conrad Kruse                       3. September 1955 - 18. Mai 1956

Albert Goltermann               1956 - 1958

Conrad Kruse                       1958 - 1974

Konrad Kauke                       1974 - 1981

Heinrich Seegers                  1981 - 1985

Horst Gabriel                         1985 - 2000

Rüdiger Bartsch                    2000 - 2012

Doris Fuhrmann                    seit 2012

Liste der Kirchwehrener Pastoren

(Die erste Erwähnung der Kirchwehrener Kirche datiert aus einer Urkunde des Jahres 1221. In den ersten gut 200 Jahren gibt es kaum namentlich erwähnte Prediger in Kirchwehren. Erst ab dem Jahr 1538 ist die Dokumentation nahezu lückenlos.)

 

1223                                 in einer Urkunde werden ein Lenfried und ein Gerard als Prediger erwähnt

1337                                 ein Prediger Johannes

1538 - 1544                     Johann FILLTER (letzter katholischer Prediger, danach evangelische Kirche)

1543 - ?                           Christian GREVE

?       - 1566                     Cord SANDER

1566 - 1593                     Henning LANGREDER

1593 - 1619                     Andreas MIDDELSTRATE

1619 - 1641                     Johannes KAISER

1642 - 1691                     Henning BENEKE

1691 - 1736                     Michael MAUL

1736 - 1774                     Johann Georg WAGEMANN

1775 - 1799                     Carl Ludwig WEDEKIND

1799 - 1815                     Georg Eberhard Anton CHAPPUZEAU

1815 - 1834                     Georg Samuel MEYER

1834 - 1868                     Julius NIEMACK

1868 - 1891                     Carl EY (1868 - 1880 zunächst als "Interimsprediger", da sein Vorgänger noch nicht gestorben war)

1892 - 1910                     Oskar BUCK

1911 - 1925                     Rudolf MIROW

1925 - 1927                     verschiedene Vakanzvertretungen 

1927 - 1933                     Friedrich von PROBST

1933 - 1934                     Pastor SCHMIDT (aus Leveste, als Vakanzvertretung)

1934 - 1945                     Pastor MEYER (aus Lenthe, als Vakanzvertretung)

1945 - 1949                     Max MANTHEY

1949 - 1954                     Hermann FRICKE

1954 - 1976                     Klaus PAPE

1976 - 1979                     Pastoren aus Seelze und Letter als Vakanzvertretungen

1979 - 1984                     Johann-Jacob von KITZING

1984 - 1994                     Bernhard RUTKIES

1994 - 2007                     Peter BÜTTNER

2007 - 2008                     Dirk GNIESMER

seit 2008                         Nikolaus KONDSCHAK

Bedeutung der Kirchwehrener Straßennamen

Quelle: "Beiträge zur Geschichte Kirchwehrens"

Am Anger:

(Der Begriff Anger bezeichnet ein meist grasbewachsenes Land oder einen Dorfplatz in Gemeinbesitz, der von allen Bewohnern der Stadt oder des Dorfes genutzt werden konnte)

Die Straße Am Anger verläuft in einem Bereich, der in früheren Jahrhunderten als gemeinschaftliche Weide genutzt wurde, vorwiegend für Kleinvieh wie z. B. Gänse. Dort, wo sich heute das bepflanzte Rondell an der Bushaltestelle befindet, war bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ein Teich, der im Winter, wenn er zugefroren war, der Dorfjugend einen Platz zum Schlittschuhlaufen bot. Der Teich wurde dann zugeschüttet und Anfang der 1920er Jahre wurde an seiner Stelle ein Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges errichtet. Etwa 50 Jahre später wurde das Ehrenmal abgerissen und der Platz wurde gepflastert und bepflanzt.

 

Bocksbeere:

Die Bocksbeere ist eigentlich keine Straße, sondern ein breiter Weg. Hier verlief früher ein Graben, begleitet von einem Weg. Der Graben endete in dem schon erwähnten Teich Am Anger. Er ist vermutlich gleichzeitig mit diesem zugeschüttet worden. Auf dem Grundstück Bocksbeere 4 wurde über lange Zeit der Ziegenbock des Dorfes gehalten. Ob der Name Bocksbeere daher stammt, ist jedoch nicht gesichert. Denkbar ist auch, dass der Grabenrand als Weide für den Ziegenbock reserviert war.

 

Im Osterfeld:

Die Straße im Osterfeld wurde nach dem Flurstück benannt, auf dem die anliegenden Häuser gebaut wurde. Es war das Feld im Osten des Dorfes.

 

Kirchwehrener Ring:

Die Bezeichnung Kirchwehrener Ring ist ein wenig irreführend, denn die Straße bildet keinen geschlossenen Kreis, sondern beginnt und endet an der Neuen Straße, nachdem sie einen dreiviertel Kreis erreicht hat.

 

Küsterstraße:

Die Küsterstraße bekam ihren Namen, weil an diesem Weg das ehemalige Küsterhaus mit zugehörigem Garten und Wiese

lag.

 

Lenther Straße:

Die Lenther Straße ist nach der benachbarten Ortschaft benannt, mit deren Adelsfamilie viele Kirchwehrener über Jahr- hunderte grundherrschaftliche Abhängigkeit verband. 

 

Munzeler Weg:

Der Munzeler Weg verdankt seinen Namen seinem Ziel, indem er nämlich Richtung Westen nach Ostermunzel und Groß Munzel führt.

 

Neue Straße:

Die Neue Straße führte ihren Namen zunächst eher zu Unrecht, da sie dem Verlauf der ehemaligen Ortsdurchfahrt folgte. Erst mit dem Neubaugebiet, welches Mitte der 1990er Jahre entstand und wo sich die "neue" Neue Straße befindet, hat sie zumindest in diesem Abschnitt ihren Namen zu Recht.

 

Osterende:

Die Straße Osterende ist nach der Himmelsrichtung benannt, in die sie führt.

(Übrigens haben die Namen Im Osterfeld und Osterende überhaupt nichts mit Ostern zu tun, sondern einzig und allein mit der Himmelsrichtung Osten)

 

Schomburgsweg:

Der Schomburgsweg trägt seinen Namen nach dem vormaligen Besitzer des Geländes, auf dem die anliegenden Häuser gebaut worden sind. Zwei Generationen der Familie Schomburg waren von 1873 bis 1936 auf dem Hof Nr. 5 ansässig. (Später Hof Hahn, heute Dachdeckerei Kassel.)

 

Volkersweg:

Auch der Volkersweg ist nach einer Familie benannt. Die Familie Volker bewirtschaftete von 1742 bis 1920 in fünf Generationen den Hof Nr. 1 (heute Hof Narten). Ihr gehörte auch das Land, auf dem die heute anliegenden Häuser des Volkersweges gebaut worden sind.

 

Zum Riepen:

Diese Straße tut genau das, was ihr Name sagt: Sie führt zum Riepen. Hierbei handelt es sich um das kleine Waldstück, welches sich nördlich von Kirchwehren befindet und heute in Privatbesitz ist.

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